Benjamin Blümchen, Protest gegen das Auto und der Mangel an Fortschritt

November 4, 2019 ☼ AutoMobilitätStadt

Vor kurzem bin ich mit meiner Tochter dazu über gegangen Benjamin Blümchen chronologisch zu hören. Zugegeben, dass war nicht ihr Wunsch. Die erste Folge ist, laut Spotify, von 1977. Es ist recht faszinierend zu sehen wie viele der Komponenten aus der aller ersten Folge immer noch ihren Bestand haben in den aktuelleren Folgen. Ein Testament für die Grundbausteine, aus den alles andere entspringt.

Doch bereits in der dritten Folge musste ich nicht wenig staunen. Das Auto, als Transportmittel und gesellschaftliches Artefakt, wird von Benjamin Blümchen nicht nur kritisiert sondern durch Sitzblockaden von Kindern in Frage gestellt. In 1979. Es sind nicht die Abgase die kritisiert werden sondern der Lärm. Die Konversation in dieser Folge dreht sich um legitime Protestbewegung — Benjamin Blümchen stiftet Schüler zu einer Sitzblockade an — aber auch um die stadtplanerische Norm das Auto im Mittelpunkt zu haben. An vielen Stellen erinnert diese Folge an die Konversation die wir heute, 40 Jahre später, immer noch führen.

Zu Anekdote gehört es auch dazu, dass wir die Folge gehört haben während wir auch im Auto durch die halbe Stadt gefahren sind.

Ist Benjamin Blümchen also ein legitimes Signal für die Weise wie wir die allgemein geführte Konversation über Mobilität führen? Absolut. Heute fährt die Bundeskanzlerin zu einem VW-Werk um das Zeitalter des Elektro-Autos in Deutschland einzuläuten. Wir haben dann vielleicht das Kernproblem aus der dritten Folge von Benjamin Blümchen irgendwann, in ca. 15 Jahren gelöst, doch uns immer noch nicht die Frage gestellt: wie sieht eine Stadt aus die ohne das Auto auskommt?

P.S.: Historisch betrachtet frage ich mich wie sehr die Ölkrise 1973 und 1979/80 zu der Entstehung dieser Folge beigetragen hat aber diese Recherche übergebe ich gerne an andere.